Erfahrungsbericht: Eine Reise ins Ungewisse

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Januar 2016 – Die beiden ehemaligen Pfadfinder, Jonas und Alex, entscheiden sich, im Sommer 2016 an einem Abenteuer der besonderen Klasse teilzunehmen. Die zwei Freunde bewerben sich als Team beim sogenannten Explorer Belt. Der Explorer Belt ist ein international verbreiteter Pfadfinder-Event. Auch die Pfadi Schweiz führt dieses Abenteuer jedes Jahr in einem anderen Land durch. Das Herzstück des Explorer Belts ist die 10-tägige Expedition, welcher eine intensive Vorbereitungsphase vorausgeht.

Im Verlauf der Vorbereitung erfuhren Jonas und Alex, dass die Reise in den hohen Norden Europas an den Polarkreis führen wird. Ein Abenteuer wie der Explorer Belt kann bei bbacksoon zwar (noch) nicht gebucht werden, jedoch finden sich viele Gemeinsamkeiten wieder. Wo die Reise für Alex und Jonas hinführt und wie genau sie das angehen werden, bleibt, so auch wie bei bbacksoon, bis zum Zeitpunkt des Beginns, ungewiss.

10 Tage outdoors

Ausgangspunkt des Abenteuers war Gällivare. Von dort gelangten die beiden mit einem Bus zum eigentlichen Abmarschort: Kvikkjokk. Während den 10 Tagen in freier Natur konnten die beiden uns keine Infos zukommen lassen. Wir wissen aber, dass sie das Ziel erreicht haben, dank dieser Nachricht, welche sie uns geschrieben haben: "D'füess dünd chli weh, aber für so zwei berserker wie eus isch das keis problem". Ihre eindrücklichen Erlebnisse haben Sie in einem Tagebuch festgehalten, was wir euch natürlich nicht vorenthalten wollen. Lest selbst:

Ob Sumpf, ob Gröll, Ob Berg, ob Tal, s chunnt nöd druffah, s isch eh e Qual

Tag 1

Ein absurdes Gefühl, so ins Ungewisse zu fahren. Nach unserer Ankunft in Kvikkjokk hüpften wir, wie die Rentiere, los in Richtung Nirgendwo. Anfängliche Unsicherheiten bezüglich Orientierung überwanden wir mehr oder weniger schnell, dachten wir zumindest. Guten Mutes wanderten wir über Stock und Stein, vorbei an Seen und Heerscharen deutscher und schwedischer Wanderer. Unsere erste Etappe führte durch viel Wald und über einen Weg, der stellenweise eher ein Fluss war.

Tag 2

Am zweiten Tag stand uns ein wunderbarer Tag mit blauem Himmel, Sonnenschein und reiner Natur bevor. Ganz nach bbacksoon's Sehnsucht "b offline". Allerdings mussten wir uns nach rund zwei Stunden eingestehen, dass wir eine falsche Route eingeschlagen hatten. Leicht niedergeschlagen, aber nach wie vor topmotiviert kehrten wir um und schlugen uns durch Sumpf und Sträucher weiter in den Sarek Nationalpark hinein.

Tag 3

Ob Sumpf, ob Gröll, Ob Berg, ob Tal, s chunnt nöd druffah, s isch eh e Qual: Das Motto unseres dritten Tages. Kurz nach dem Aufbruch fanden wir uns in einem schier endlosen Geröllfeld wieder, das uns der Passhöhe entgegenführte. Das Vorankommen war eher mühsam, weshalb wir zum Teil einfachheitshalber auf Schneefelder auswichen. Und siehe da, auch hier oben begegneten wir der skandinavischen Tierwelt: Rentiere, Berghühner und vereinzelt auch deutsche Wanderer.

Tag 4

Die Landschaft war wunderschön und man konnte sich kaum satt sehen. Jonas übernahm wieder den Part des Guides, während ich, Alex, über die Geröllblöcke stolperte und fluchte. Was folgte war das fast schon bekannte "Flussqueren", bevor wir einen Pfad ausmachen konnten, welcher uns entlang des Alggajavrre-Sees direkt zu unserem Zwischenziel führte. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir bereits 112 Leistungskilometer zurückgelegt.

Tag 5

Eines ist sicher: Mit 25 Leistungskilometern pro Tag schläft man gut und tief. An diesem Tag ging es in Richtung Padjelantaleden. Das Vorankommen war äusserst mühsam und zehrte an den Kräften wie kaum eine Etappe zuvor. Sumpf und Gebüsch wechselten sich ab. Irgendwann erreichten wir dann unser nächstes Ziel, eine lang ersehnte Brücke. Dort fanden wir bei einer Hütte nicht nur ein gemütliches Schlafplätzchen, sondern auch gute Gesellschaft.

Tag 6

Bereits am Vorabend hatten wir den Entschluss gefasst, uns von nun an vorwiegend auf gepfadeten Wegen zu bewegen. Dadurch waren wir in der Lage, unsere Kräfte zu schonen und unser Ziel Ritsem schneller zu erreichen. Trotz des Schongangs legten wir an diesem Tag rund 30 Leistungskilometer zurück und befanden uns anschliessend oberhalb vom Akkajaure-See.

Tag 7

Nach einer regnerischen Nacht musste zunächst einmal das Zelt getrocknet werden, bevor es wacker in Richtung Akkajaure-See losging. Das erste Mal sahen wir unser Ziel, Ritsem. Allerdings auf der anderen Seite des Sees. Uns standen somit rund 100 Kilometer Fussmarsch um den See bevor. Weiter ging es auf dem Nordkalottleden, einem insgesamt 800 Kilometer langen, internationalen Fernwanderweg im Norden Skandinaviens. Offenbar war aber der Landschaftsgärtner erkrankt, sodass die Natur auf diesem Pfad längst überhandgenommen hatte. Naja, an Büsche und Sumpf haben wir uns ja mittlerweile gewöhnt und auch nasse Schuhe zu haben war nichts Neues. Wir steckten das somit locker weg und schlugen uns munter durchs Unterholz. Zwischendurch entschied noch eine Wolke, sich über uns für eine halbe Stunde auszuregnen, was dem Ganzen natürlich die Krone aufsetzte. Doch für uns zwei alte Hasen war auch das kein Problem.

Tag 8

Am achten Tag wollten wir den Aufstieg zum nördlichsten Punkt unserer Reise in Angriff nehmen. Was folgte war ein beschwerlicher Weg und nochmals viel Regen. Oben angekommen, offenbarte sich uns dann aber ein grandioser Ausblick der uns für die Strapazen belohnte.

Tag 9

Das Ende des Explorer Belt rückte langsam aber sicher näher. Nach einer bitterkalten Nacht auf einer Hochebene starteten wir in einen ebenso bitterkalten Morgen. Nasses Zelt, nasse Schuhe. Eine warme Bouillon zum Frühstück schaffte da Abhilfe. Etwas unterkühlt liefen wir los, mit guter Hoffnung, bald den nördlichsten Punkt unserer Reise zu erreichen. Das Gelände war aber sehr zerklüftet und steinig, was das Vorankommen etwas erschwerte. Durch den Nebel gestaltete sich auch die Orientierung eher schwierig. Als wir besagten Punkt jedoch erreichten, wussten wir, dass unser Ziel Ritsem immer näher rückt. Voller Motivation und begleitet von ein wenig Sonnenschein liefen wir weiter.

Tag 10

Noch ein letztes Mal Füsse einbalsamieren und dann ging's los auf unsere finale Etappe. Nach einem Viertel des Weges trafen wir auf zwei Trekker, die in Ritsem vor einem Tag gestartet waren. Sie machten ziemlich grosse Augen, als wir ihnen sagten, dass wir heute noch nach Ritsem wollen. Wir liessen uns dadurch aber nicht weiter beirren. Die letzte grössere Steigung des Explorer Belt belohnte uns am Ende wieder mit einem grandiosen Ausblick. Der Rest war von da an nur noch Auslaufen. Ein, zwei Sumpf-Felder (die wir langsam aber sicher satt hatten), ein paar Hügel und dann fanden wir uns auf einer geteerten Strasse wieder. Die Erleichterung war uns anzusehen und ein breites Grinsen zierte unsere Gesichter. Hatten wir doch tatsächlich 270 Leistungskilometer in 10 Tagen zurückgelegt und dies erst noch ohne gröbere Blessuren.

Uns von bbacksoon hat es wahnsinnig Freude bereitet, die zwei Jungs auf ihrem Abenteuer durch Skandinavien zu begleiten. Für uns klingt das nach einer aufregenden und einzigartigen Reise, welche die beiden bestimmt nie vergessen werden.

Gastautor: Alex 

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